Menschen im Aquazoo. Heute: Markus Juschka

Markus Juschka, technischer Assistent im Aquazoo und Reptilienfan, ist der Mann für alle Fälle. Er arbeitet zu Wasser, zu Land und während Sanierungsphasen auch im Container.

Leguane, Warane, Doktorfische – wenn der Aquazoo Düsseldorf nicht gerade (wie derzeit) wegen Sanierung geschlossen hat, taucht der Besucher in eine reiche Tierwelt ein. Hinter den Kulissen arbeiten rund 50 Menschen, die diese Artenvielfalt täglich erleben. Markus Juschka ist einer von ihnen. Ihn stellen wir heute vor.

Hallo Herr Juschka. Was ist Ihr Beruf?
Ich bin gelernter Zootierpfleger. 1987 habe ich als Praktikant im Aquazoo angefangen und bin also von Anfang an dabei. Heute bin ich technischer Assistent, das ist die Ebene zwischen Zoodirektion, Kuratoren und Tierpflege. Ich habe zum einen in der Verwaltung als auch im Tierpflegebereich zu tun. Mit meiner Vorgesetzten Frau Wille verantworte ich den Wasserbereich. Bei Bedarf kenne ich mich aber auch im Landbereich gut aus.
War Tierpfleger Ihr Traumberuf?
Ich wollte eigentlich mal Biologie studieren. Aber ich habe meinen Weg nie bereut und würde es jederzeit wieder so machen.
Was lieben Sie an Ihrem Job?
Die Abwechslung! Es ist ein spontaner Job. Ständig gibt es Herausforderungen. Nur 20% ist Routine, der Rest ist Überraschung. Man weiß nie, was der Tag bringt. Schön ist es, einfach Auge in Auge mit dem Tier zu stehen. Jungtiere schlüpfen zu sehen, z. B. der 100. Nashornleguan, der im Aquazoo nachgezüchtet wurde und schlüpfte. Das sind Highlights. Wir arbeiten hier mit allen Sinnen. Ich fahre nach 26 Jahren immer noch gerne zur Arbeit. Und: Man kennt sich untereinander in der Branche, das ist auch schön. Wenn ich privat in einen Zoo gehe, muss ich das „inkognito“ tun.
Das klingt sehr begeistert, was mögen Sie nicht so?
Wenn ein Tier stirbt, krank ist oder abgegeben werden muss, das ist für mich eine schwierige Situation. Und die militanten selbst ernannten Tierschützer und Tierrechtler, die eine extreme Position beziehen und es oft übertreiben. Das behindert unsere Arbeit manchmal. Wir verrichten hier schließlich auch wichtige Arbeit für den Artenschutz, sammeln wertvolle Basisdaten, z. B. für den grünen Smaragdwaran, den wir hier im Aquazoo nachzüchten.
Welches Lieblingstier haben Sie im Aquazoo?
Es wäre unprofessionell, wenn ich einige Tiere bevorzugen würde! Ich behandle alle gleich. Aber generell mag ich Reptilien. Wenn man sich die Zeit nimmt, gibt es hier so viel Faszinierendes zu entdecken. Es lohnt sich immer, genauer hinzuschauen, dann erfährt man auch einiges, was man die Tieren erst mal gar nicht zugetraut hätte.
Haben Sie auch privat Tiere?
Ja, ich habe einige Tiere zuhause. Ich arbeite mit Schildkröten und züchte sie auch.
Welches sind die bleibenden Eindrücke Ihrer Arbeit?
So viele! Den Zyklus des Lebens zu erfahren, das ist für mich einfach faszinierend. Wenn man z. B. miterleben darf, wie ein kleine Schildkröte aus dem Ei krabbelt. Man fragt sich, wie hat sie da überhaupt reingepasst? Oder die jungen Seepferdchen, die aus dem Eltern-Bauch ins Wasser herausgepumpt werden. Oder die Wabenkröte, bei der sich die Jungtiere im Rücken entwickeln. Die Natur ist so kreativ, es gibt so viel zu entdecken und noch so viel zu erforschen. Mir fallen die Maulbrüterfrösche ein, sie brüten, wie der Name schon sagt, ihre Eier im Mund aus. In Australien gab es Amphibien, die brüteten sogar im Magen, wobei ihre Magensäure die Eier nicht angriff. Diese Amphibienart ist leider ausgestorben, sonst hätte man daraus bei der Erforschung von Magengeschwüren Erkenntnisse gezogen.
A propos bleibender Eindruck: ich höre, Sie essen auch schon mal Insekten?
Ich nenne das Qualitätsprobe, ich muss ja wissen, was ich meinen Tieren vorsetze. Da probiere ich schon mal ein Grille. Besonders, wenn Kinder dabei sind, löst das ein großes Hallo aus. Aber das ist vielleicht die Nahrung der Zukunft. Und sie schmeckt gut, nach Nuss.
Welches Tier würden Sie dem Besucher mal ans Herz legen?
Gerade Insekten, Kakerlaken oder Ameisen werden von den Menschen oft nicht so geschätzt. Aber diese Tiere leisten und können so viel, da lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Eigentlich lohnt sich das bei jedem Tier.
Was wünschen sie sich für die Aquazoo Neueröffnung nach der Sanierung?
Wünschenswert wäre, dass die Politik uns etwas großzügiger unterstützt. Wir haben hier im Zoo die „Kultur des kleinen Mannes“, uns besuchen alle, von 0 bis 88 Jahren, mit vielfältigen Interessen und Erwartungen. Wir haben hier so viel Potenzial, so viele Ideen. Die Nische, die wir als Aqauzoo belegen, müsste mehr gefördert werden.
Hätten Sie alles Geld der Welt: was würden Sie dem Aquazoo spendieren?
Ein Nachttierhaus, das gibt es im Umkreis vom 200 km nicht und passt hervorragend in unser Profil.
Oder das Thema „Riesen und Zwerge“: Riesenschlangen einer Familie, wie die Netzphytons, werden teils nur 60 cm groß, teils aber bis zu 9 m! Auch bei Waranen und Wasserschildkröten gibt es solche spannenden Dimensionen. Alle paar Jahre ein neuer Themen-Pavillion wäre toll. So bleiben wir auch für die Besucher interessant. Wir freuen uns jedenfalls schon sehr auf die Neueröffnung in 2015.
Herr Juschka, danke für das Gespräch.

Ein Gedanke zu “Menschen im Aquazoo. Heute: Markus Juschka

  1. Sehr schönes, interessantes Interview einer Tierpfleger-Persönlichkeit mit Erfahrung und Charakter : lehrreich und kommunikativ in seiner Begeisterung ! Soviel Kompetenz und Ideen ! Es ist eine Freude, soviel Liebe zu den Tieren und zu dem eigenen Zoo spontan mitteilen zu können ! Alles Gute weiterhin !

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