Menschen im Aquazoo. Heute: Dr. Elmar Finke

Das Kabinett des Dr. Elmar Finke, Leiter der Abteilung Pädagogik am Aquazoo Düsseldorf.

Haie, Stachelfische, Pinguine, Insekten – das Büro von Dr. Elmar Finke im Aquazoo Düsseldorf ist kein Büro wie jedes andere. Es ist voller Anschauungsmaterial. Tierpräparate und Modelle warten in Glasvitrinen auf ihren Einsatz außer Haus, bei einer der vielen Veranstaltungen, die Dr. Finke mit seinem Team in Kindergärten, Schulen oder Altenheimen bestreitet. Denn er ist Leiter der Abteilung Pädagogik im Aquazoo – mit einer Mission – aber davon gleich mehr.
Herr Dr. Finke, Sie sind Biologe und Leiter der Abteilung Pädagogik. War das denn Ihr Traumberuf?
Ich wollte eigentlich Freiland-Biologe oder Meeres-Biologe werden. Diese Traumberufe haben aber auch Nachteile. Ich habe z. B. an Tintenfischen geforscht – dafür waren aber leider Tierversuche notwendig. Wenn Tiere zu Schaden kommen, bin ich nicht begeistert. Die Betreuung von Praktikanten am Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven brachte mich dann zur Pädagogik.
Sie haben viel mit kleinen Kindern zu tun. Sind die besonders wissbegierig?
Ja, aber auch Erwachsene sind das! Kinder sind jedoch spontaner, die wollen alles wissen, ganz unmittelbar. Sie sind impulsiv und noch nicht auf ihre Wirkung bedacht. Bei unseren Außer-Haus-Aktionen „Natur zu Besuch“ arbeiten wir mit allen Sinnen und deshalb auch mit vielen verschiedenen Materialien und Methoden. Wir zeigen z. B. Häutungen und Tierpräparate, bringen aber auch lebendige Tiere mit, die die Kinder anfassen dürfen. Mal ist das eine Stabschrecke, mal eine Vogelspinne, mal Schlangen, Echsen oder Kröten. Und dann sprudeln die Fragen der Kinder nur so heraus.
Erleben Sie bei Ihrer Arbeit lustige Situationen?
Ja, so viele, dass ich gar keine speziell erzählen kann! Ich versuche aber, nie über lustige Fragen der Kinder zu lachen, sondern sie ernst zu nehmen und so gut es geht zu beantworten.
War auch schon mal etwas ganz heikel?
Knifflig wird es, wenn Schüler mit den Tieren nicht gut umgehen, wenn sie aufgeregt oder zu ängstlich sind oder sich erschrecken. Da wir damit aber rechnen und vorher entsprechende Regeln vorgeben, kann man das weitgehend kontrollieren. Schließlich wollen wir Kindern ja auch positive Tiererlebnisse vermitteln und Gefühle wie Ekel oder Angst abbauen.
Worauf sind Sie besonders stolz?
Unsere Lehrsammlung finde ich toll, die wir mit Hilfe unserer Präparatoren und Tierpfleger aufgebaut haben. Und wir haben hier ein nettes Kollegium. Da ist auch immer konstruktive Kritik möglich. Jeder arbeitet eigenverantwortlich, verlässlich und kollegial. Diese Kultur pflegen wir hier. Und das schätze ich.
Was motiviert Sie?
Vor allem die Sinnhaftigkeit der Arbeit für Mensch und Natur. Wenn man die Menschen bewegen kann, macht das Freude. Und es ist befriedigend, sich um Menschen und um Tiere kümmern zu können, wenn man für beide Positives bewirken kann. Ich bin überzeugt: diese Mühe wird eines Tages Früchte tragen.
Haben Sie eine Mission?
Ich würde sagen: Alles, was der Natur und dem Menschen dient, ist gut.
Wissen Sie eigentlich alles über Tiere oder müssen Sie auch googeln?
Die Biologie ist so ein weites Feld! Nirgendwo sonst gibt es so viele Begriffe und Fachausdrücke – das kann niemand alles im Kopf haben. Auch ich muss immer wieder mal etwas nachlesen. Manchmal tue ich das bei Wikipedia. Oder ich schaue bei Fishbase nach, einer umfangreichen Datenbank. Wir haben aber auch eine gute Bibliothek im Aquazoo.
Haben Sie privat Tiere?
Wir haben zuhause ein Aquarium mit Fischen, Krebstieren und Schnecken. Aber wenn ich Tiere beobachten will, gehe ich am liebsten raus in die Natur. Das finde ich am spannendsten.
Beobachten Sie als Biologe Ähnlichkeiten zwischen Menschen und ihrem Haustier?
Ich denke, da gibt es eher charakterliche Ähnlichkeiten: der aktive Naturtyp hält sich einen Hund. Jemand, der gerne in der warmen Stube sitzt, mag eine Katze lieber. Und wer das Abenteuer liebt, der hält sich schon mal Gifttiere.
Welches Lieblingstier haben Sie im Aquazoo? Und warum?
Ich mag besonders die Eselspinguine. Wie unglaublich schnell sie schwimmen! Wie genau sie einen beobachten! Mein Diplom habe ich über Kalmare geschrieben, seither begeistern mich Tintenfische. Kraken zum Beispiel sind super clever und sehr neugierig. Das sind echte Ausbruchskünstler. Versteckt man Futter in einem Schraubglas, schaffen sie es, es zu öffnen! Das finde ich beeindruckend.
Der Aquazoo wird nun saniert. Was wünschen sie sich für die Neueröffnung 2015?
Vor allem, dass wir viele Besucher langfristig vom Aquazoo begeistern können. Dass das Institut ein Düsseldorfer Highlight wird. Die Besucher sollten auch aktiver werden, mehr ausprobieren, sich intensiver mit den Themen auseinander setzen können. Durch sinnliches Erfahren steigt man tiefer ein. Natürlich wünsche ich mir auch, dass alles zeitgerecht fertig wird.
Hätten Sie alles Geld der Welt: was würden Sie dem Aquazoo spendieren?
Einen großen Anbau, mit drei Aspekten: 1. eine eigene Cafeteria. Das wäre schön. Man will sich ja zwischendurch mal ausruhen und seine Eindrücke sortieren. 2. Mehrere Großgehege – so genannte Ökodisplays – Nachbildungen ganzer Lebensräume, in denen man die Hitze, Kälte oder Feuchtigkeit von Lebensräumen spüren und Tiere ohne Abtrennungen beobachten kann. 3. Betreute Laborräume als Lernorte für Kinder, wo sie Tiere untersuchen, Modelle auseinander nehmen und Versuche machen können. Generell wünsche ich mir mehr Raum für eigene Erfahrungen und Erlebnisse.
Herr Dr. Finke, danke für das Gespräch.

Weitere Informationen gibt es hier: www.duesseldorf.de/aquazoo/service/

2 Gedanken zu “Menschen im Aquazoo. Heute: Dr. Elmar Finke

  1. Sehr schön, immer wieder etwas über die Menschen zu hören, die das Leben im Zoo mitbestimmen ! Die Fotos sind sehr interessant. Es wäre schön, mal zu sehen, wie solch eine Begegnung für eine bestimmte Altersgruppe zu einem bestimmten Thema vorbereitet und dann durchgeführt wird.
    Mich würde auch sehr amüsieren zu sehen, wie ein Krake ein Futterdas mit seinen Fangarmen aufmacht !

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