Menschen im Aquazoo. Heute: Rolf Enders

Rolf Enders, ehemaliger Tierpfleger mit Hang zum Hund.

Herr Enders, Sie waren 30 Jahre Tierpfleger im Aquazoo. Wie war das damals, als der Aquazoo noch im Bunker an der Brehmstraße war?
Mit heute war das nicht zu vergleichen, alles war ziemlich provisorisch. Es gab keine Fenster – nur künstliches Licht. Die Luft war schlecht, daher durften wir jede Stunde 5 Minuten Pause an der frischen Luft machen. Es gab keinen Abfluss – ein Wasserwechsel in den Aquarien musste über Schläuche in Sickergruben abgeleitet werden. Oft lief irgendwo Wasser über und man wusste nicht, woher das kam. Es gab Räume, die waren nur 1,10 Meter hoch, das waren unsere Lager, da mussten wir dann durch krabbeln. Im Bunker konnte man sich richtig verlaufen, so unübersichtlich groß war er. Es gab dort auch nicht nur uns, sondern auch einen Schreiner und ein Lager einer amerikanischen Bank. Die ganze Sache hatte irgendwie Charme, es war die Aufbauzeit und es herrschte Aufbruchstimmung. Wir hatten auch immer Möglichkeiten, uns zu erweitern. Man nahm sich einfach neue Räume dazu – und fertig war die Nordafrikanische-Rennmaus-Zucht oder die Meerschweinchen-Zucht.
Unser damaliger Chef, Zoodirektor Dr. Zahn, war gebürtiger Berliner. Ein richtiger Preuße, mit einem sehr eigenen Humor. Er arbeitete und forschte mit Sepias und mit Quallen. Er war ganz wissenschaftlich orientiert und seine Leistungen waren hoch anerkannt, er war eine Koryphäe. Sein Nachfolger, Dr. Gettmann, führte dann die Kleinsäuger ein – die Gundis, Mangusten, Kurzkrallenotter, Weißbüscheläffchen. In den Achtzigern gründete sich auch der Freundeskreis, Herr Schmitz-Salue und Herr Prof. Dr. Schadewaldt waren prägend und haben dafür gesorgt, dass Gelder gesammelt wurden und dass auch Lobbyarbeit bei der Stadt betrieben wurde. Ihnen ist auch zu verdanken, dass seit 1987 das heutige Gebäude so steht.
Wie kam es eigentlich, dass Sie Tierpfleger wurden?
Eigentlich bin ich gelernter Schlosser. Damals waren aber unsichere Zeiten, es gab oft Entlassungen. Zufällig habe ich ein Stellengesuch für einen Hilfstierpfleger entdeckt. Ich bin direkt genommen worden und nach 5 Jahren legte ich die Tierpfleger-Prüfung an der IHK ab. Schon als Kind begeisterte ich mich für Aquarien. Ich hatte ein 400 Liter Aquarium mit Meerwasserfischen: Doktorfische, Riffbarsche, ein Kaiserfisch und Wirbellose wie Korallen, Seelilien, Schwämme, Schnecken, Röhrenwürmer.
In den Achtzigern wurde der heutige Aquazoo geplant, an was erinnern Sie sich da?
Da kam es mir zugute, dass ich Schlosser war. Ich habe Filtertürme geschweißt, Großterrarien montiert, ich habe auch schon mal Baumstämme geschleppt. Wir haben alle mit angepackt, bis dann die Tiere kamen. Im Hamburger Tierpark Hagenbeck haben wir z. B. einen Seebär geholt, erst 14 Monate alt. Leider war sein Mutter gestorben, so mussten wir Pfleger den Kleinen füttern. Mit Heringen und Forellen ging das ganz gut, bis er seinen Jagdtrieb entdeckte und selber fraß.
Was haben Sie bei ihrer Arbeit besonders gerne gemacht?
Ich habe sehr gerne Gehege gestaltet, z. B das Gundi-Gehege. Das ist sogar einmal ausgezeichnet worden. Mit Kaninchendraht und Beton habe ich die Form vorgegeben und dann das Gehege mit Erde und Pflanzen fertig gebaut. Ich habe mir immer überlegt, was die Tiere brauchen und lieben, das habe ich dann umgesetzt. Das Tier soll sich schließlich wohl fühlen – und der Besucher soll es gut sehen können.
Haben sich die Interessen der Aquazoo-Besucher mit den Jahren verändert?
Eltern und Kinder haben grundsätzlich andere Interessen als jemand, der selber Reptilien zu Hause hat. Eigentlich sind es immer die selben Fragen: sind Schlangen giftig? Können Krokodile wirklich hoch springen? Können sie einen Arm abbeißen? Sind Spinnen giftig? Terrarienbesitzer fragen oft, wo wir unser Futter herbekommen. Dann zeigen wir ihnen das schon mal. Manchmal werden wir gefragt, ob wir Tiere verkaufen. Oder die Leute wollen ihre Tiere an uns abgeben, z. B. Schildkröten, die plötzlich zu groß geworden sind. Das geht aber aus Platzgründen leider nicht. Es kam auch schon vor, dass eine Schildkröte einfach morgens vor der Tür lag, dann mussten wir uns darum kümmern und haben sie weiter vermittelt. Das geht z. B. über die DGHT (Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde e.V.).
Wie ist Ihre Meinung zur privaten Haltung von Reptilien?
Man sollte vor der Anschaffung einiges bedenken. Ich hatte mal ein Chamäleon zuhause. Das war aber nicht so einfach, die sind schwer zu halten. Chamäleons müssen aus der Pipette zu Trinken bekommen, denn in der Natur trinken sie Tautropfen. Als Futter bekommen sie Grillen mit der Pinzette gereicht. Sie finden nur sehr schwer Nachbarn, die im Urlaub für solche Tiere zur Verfügung stehen, denn die Leute haben oft Angst.
Ihre Message an alle Tierfreunde?
Man sollte sich sehr gut überlegen, wie groß, wie anspruchsvoll und wie alt die Tiere werden, bevor man sie anschafft. Giftschlangen z. B. hält man einfach nicht aus Imagegründen. Rotwangenschmuckschildkröten z. B. haben sich viele Familien angeschafft, als sie noch süß und klein waren. Die werden aber so groß wie Klodeckell! Man sollte sich bitte vorher gut informieren, z. B. Bücher lesen. Gerade Eltern sind gefordert. Ein Tier schafft auch Abhängigkeit, das sollte man auch bedenken. Gucken Sie mal in die Tierheime, da sind so viele abgegebene Tiere, das darf wirklich nicht sein, das macht mich traurig.
Plaudern Sie doch weiter aus dem Geschichten-Nähkästchen.
Ja, man erlebt schon viele schöne Geschichten. Ich erinnere mich an eine Musikstudentin, die wollte unbedingt mal zu den Weißbüscheläffchen in den Käfig. Sie hatte lange blonde Harre, zum Pferdeschwanz gebunden. Als sie wieder herauskam, sah sie aus wie Struwwelpeter und kreischte ziemlich. Kinder sind auch oft amüsant, ein Junge wollte wissen, ob Eselspinguine so heißen, weil sie Eselsohren haben. Ich erklärte, dass sie so heißen, weil sie einen „IA“-Ruf von sich geben, ähnlich dem des Esels. Die Kinder warteten dann lange aber leider umsonst auf den Schrei, der auf Kommando nicht kam. Dann erklärte ich den Kindern, das Pinguine nicht in der Luft, aber unter Wasser fliegen können, ein kleiner Junge erklärte mir ganz ernst, er könne das auch.
Wie geht es Ihnen denn heute als Rentner?
Sehr gut! Ich bin gesund und habe Zeit für die schönen Dinge wie Reisen und Spaziergänge mit meiner Hündin Paula. Das gefällt mir.
Kommen Sie heute noch manchmal in den Aquazoo?
Ja, zu Festen komme ich immer. Ich mache auch manchmal noch eine Führung, z. B. für die Düsseldorfer Jonges, bei denen ich Mitglied bin.
Was erwarten Sie von der neuen Schau, die 2015 eröffnet wird?
Ich hoffe, dass der Lebensraum für die Tiere besser wird und dass die Tiere sich noch wohler fühlen können. Und natürlich, dass der Aquazoo wieder ein richtiger Publikumsmagnet wird, wie in der alten Zeit. Und dass der neue Bürgermeister mehr für den Aquazoo tun wird.
Was war im Aquazoo Ihr Lieblingstier?
Der Hechtalligator war mein Lieblingstier. Der war so zahm. Ich konnte ihn mit der Hand füttern, dass hat sich sonst keiner getraut.
Herr Enders, danke für das Gespräch.

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