Drastischer Rückgang unserer Insektenpopulationen

apolloLeider keine guten Nachrichten: es geht um unser immense Insektensterben.
Die Kommunikation dieses Themas ist unbedingt notwendig, um das Gehör der Politik zu finden. Daher gab es Ende 2016 einen offenen Brief des Freiburger Entomologischen Arbeitskreises an Ministerpräsident Kretschmann und die Minister Untersteller und Hauk. Dieser Brief motivierte auch die Arbeitsgemeinschaft Rheinisch-Westfälischer Lepidopterologen, einen solchen zu verfassen. Hierzu die Pressemeldung:

Pressemitteilung 1/2017 der Arbeitsgemeinschaft Rheinisch-Westfälischer Lepidopterologen vom 10. Januar 2017

Schmetterlingskundler weisen auf drastischen Rückgang unserer Insektenpopulationen hin

Düsseldorf – In einem offenen Brief an die Ministerpräsidentin und den Umweltminister des Landes Nordrhein-Westfalen hat die Arbeitsgemeinschaft Rheinisch-Westfälischer Lepidopterologen auf den Rückgang der Insektenfauna in NRW hingewiesen. „Als mit der Tierwelt unserer Heimat vertraute Schmetterlingskundler registrieren auch wir seit einigen Jahren mit Sorge einen auffälligen Rückgang von Schmetterlingen in NRW,“ sagt Dr. Wolfgang Vorbrüggen, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft. Vielleicht fällt es Autofahrern mit gutem Gedächtnis auf, wenn nach längerer Autobahnfahrt die Windschutzscheibe – im Gegensatz zu früheren Jahren – fast insektenfrei ist. Für aufmerksame Naturbeobachter wird dies auch am Ausbleiben des früheren Gewimmels und Gesummes von vielen Insekten auf blühenden Sträuchern im Frühjahr offensichtlich. Betroffen von dem „Insektensterben“ ist aber nicht nur Nordrhein-Westfalen. Die Anregung für den offenen Brief kam vom Freiburger Entomologischen Arbeitskreis, der diesen Brief an den Ministerpräsidenten des Landes Baden-Württemberg geschrieben hat.

Fehlende Insekten sind nicht nur ein Naturschutzproblem als fehlendes Futter für andere Tiere in der Nahrungskette, sondern haben auch wirtschaftlich eine immense Bedeutung: Als mittel- bis langfristige Folgen bei einem weitgehenden Ausfall der Blütenbestäuber würden sich für die Landwirtschaft enorme Einbußen ergeben, da in Europa etwa 80 % der Ernte von Bestäubern abhängig sind.

Dem Rückgang der Artenvielfalt in unserer Landschaft liegt ein ganzes Bündel Ursachen zugrunde (z. B. Landschaftsverbrauch, Monotonisierung und „Ausräumung” der Landschaft, Intensivierung der Land-und Forstwirtschaft, großflächiger Einsatz von Herbiziden, Stickstoffeinträge, Klimaveränderung und zunehmende Luft-und Lichtverschmutzung). Dieser Prozess läuft bereits seit vielen Jahren und ist am deutlichsten am Verschwinden der Vögel der Agrarlandschaft sichtbar (z. B. Kiebitz, Rebhuhn, Feldlerche). Der 2012 abrupt und vielerorts beobachtete starke Rückgang bei nahezu allen bestäubenden und vielen anderen Insektenarten steht aber offensichtlich in direktem Zusammenhang mit der Aussaat von Neonikotinoid-gebeiztem Maissaatgut. Daher nimmt die Arbeitsgemeinschaft die im Januar 2017 bevorstehende Prüfung der Wiederzulassung der drei Neonikotinoid-Insektizide Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam zum Anlass, an die Landesregierung zu appellieren, sich gegen die Wiederzulassung dieser Stoffe einzusetzen. Diese Insektizide gelten aus Sicht zahlreicher kompetenter Wissenschaftler als ein wesentlicher Grund für den derzeitigen alarmierenden, ja beängstigenden Rückgang vieler Insektenarten.

Hier der vollständige Text des offenen Briefes.

Sie haben Rückfragen oder möchten sich engagieren?
Arbeitsgemeinschaft Rheinisch-Westfälischer Lepidopterologen: 
Dr. Wolfgang Vorbrüggen, Vorsitzender, Tel.: 02405 146 52, E-Mail: w.vorbrueggen@web.de oder Karl-Heinz Jelinek, Geschäftsführer, Tel.: 0221 828 237 42, Mobil: 0151 15211483, E-Mail: karl-heinz.jelinek@gmx.de
Freiburger Entomologischer Arbeitskreis:
Frank Baum und Wolfgang Pankow, E-Mail: fr.baum@gmx.de

Bild: der Alpenapollo (Parnassius phoebus), eine von vielen gefährdeten Insektenarten

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