Workshops Tierfotografie am 17. und 18. Februar

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Keine große Herausforderung für Fotografen – diese Exponate bewegen sich ja nicht. Lebendige Tiere zu fotografieren ist schon anspruchsvoller – und kann jetzt gelernt werden.

Im Rahmen der „Düsseldorf Photo“ veranstaltet das Aquazoo Löbbecke Museum spannende Workshops. Die Aufgabe: Tiere mit dem Objektiv lebendig einfangen. Das erfordert ein bisschen Geduld und etwas Anleitung. Letztere gibt der Diplom-Biologe und Fotograf Patrick Appelhans. Für folgende Workshops können Sie sich anmelden:

1. Fotoworkshop für Kinder von 8 bis 11 Jahren am 17.2.2018 von 10 bis 14 Uhr
2. Fotoworkshop für Kinder von 12 bis 15 Jahren am 17.2.2018 von 14 bis 17 Uhr
Kursgebühr: 10 Euro pro Person zzgl. Eintritt
Anmeldung unter paedagogik.aquazoo@duesseldorf.de

3. Fotoworkshop für Erwachsene am 18.2.2018 von 10 bis 15 Uhr
Kursgebühr: 20 Euro pro Person zzgl. Eintritt
Anmeldung unter paedagogik.aquazoo@duesseldorf.de

Wir wünschen viel Spaß und Erfolg! Wenn Sie Lust haben, schicken Sie uns doch Ihre schönsten Ergebnisse, wir veröffentlichen sie gerne hier im Blog.

Papageitaucher – Tauchakrobat für den täglichen Fisch

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„Orr…o-o“, „arr…ha-ha“,
so klingt der Ruf des Papageitauchers (Fratercula arctica).
Der etwa taubengroße Vogel fällt im Schmuckkleid durch seine Farbenpracht auf: Sein nahezu dreieckiger Schnabel ist dann leuchtorange, genauso wie seine Beine mit den Schwimmfüßen. Der Vogel lebt auf dem Meer und brütet in Kolonien – in selbst gegrabenen Erdhöhlen oder auf Klippen im nördlichen Atlantik und im westlichen Nordpolarmeer. In Europa ist der Papageitaucher vor allem an den Küsten des Nordens angesiedelt: in Island, Norwegen, Schweden, Irland und Großbritannien, zum Teil auch in der Bretagne. Bis Ende des 19. Jahrhunderts lebte er auch noch auf Helgoland, heute sieht man dort nur noch im Sommer vereinzelte Tiere.

Die Leibspeise des Vogels sind Schwarmfische wie Hering, Sprotte oder Kabeljau. Diese erjagt er tauchend, mit seinen Flügeln bewegt er sich dazu unter Wasser – bis zu 70 Meter tief und bis zu 115 Sekunden lang kann er seine Beute verfolgen. Da er für sich und seine Jungen sehr viel Fisch erbeuten muss, hat der Papageitaucher eine besondere Gabe: In seinem Schnabel kann er den Fang hintereinander aufreihen. Eine Reihe Widerhaken und eine hornige Zunge ermöglichen es ihm, seinen Fang bei zusätzlicher Jagd nicht wieder zu verlieren.

Papageitaucher leben für eine Saison monogam. Im warmen Frühjahr paaren sie sich und teilen sich die Aufzucht der Jungen. Sie brüten und füttern abwechselnd zu gleichen Teilen. Nach 40 bis 50 Tagen werden die kleinen Nesthocker flügge.

Neben Füchsen, Raben, Großmöwen und Greifvögeln gehört leider auch der Mensch zu den Feinden des Papageitauchers: In Island steht der Vogel auf dem Speiseplan, sein Fleisch und auch seine Eier sind begehrt. Aufgrund der gebietsweise stark schrumpfenden Populationen gilt der Papageitaucher seit 2015 als gefährdete Art.

Wir wünschen Ihnen ein gutes, gesundes und erfolgreiches neues Jahr 2018!
Lesen Sie auch weiterhin über 
die Wunder der Natur und schützen Sie sie!

Grüner Leguan – eindrucksvoller Regenwaldbewohner

gruener-leguan-im-aqzuazoo-jaegerfeldEr wirkt urzeitlich, als hätte es seine Art genau so schon vor Millionen von Jahren gegeben: der Grüne Leguan (Iguana iguana). Die imposante Form seines Körpers, die wehrhaften Rückenschuppen, der massige Kopf mit der stacheligen Kehlwamme könnten vermuten lassen, dass er ein Jäger ist. Weit gefehlt: Er ernährt sich fast ausschließlich vegetarisch – Früchte und Blätter sind seine Leibspeise. Das männliche Reptil kann bis zu 2 Meter lang und bis zu 20 Jahre alt werden. Wenn es Revierkämpfe auszufechten hat oder Weibchen imponieren will, spreizt es die Kehlwamme auf und vollführt Nickbewegungen mit Kopf und Vorderkörper. Nach erfolgreicher Paarung legt das Weibchen 30 bis 40 befruchtete Eier ab, aus denen nach ca. 8 Wochen die Jungtiere schlüpfen.

Der Grüne Leguan sieht hervorragend, weshalb er Bewegungen im dichten Wald aus großer Ferne erkennen und einordnen kann. Bei Gefahr nutzt das Tier seinen kräftigen Schwanz wie eine Peitsche. Sein bevorzugter Lebensraum ist das küstennahe, bewaldete Flachland Süd- und Mittelamerikas. In den dortigen Regenwäldern lebt das tagaktive Reptil vor allem auf Bäumen, es ist jedoch auch ein geschickter Schwimmer.

In machen Ländern gilt der Leguan als Delikatesse, als „Grünes Hühnchen“, denn sein Fleisch schmeckt ähnlich wie Geflügel. Obwohl sein Verzehr meist verboten ist, wird er gejagt und in Farmen gezüchtet.
Auch durch die Zerstörung des Regenwaldes als wertvolles Habitat für viele Arten ist auch der Grüne Leguan gefährdet.

Der Erhalt der biologischen Vielfalt ist eine der Kernaufgaben des Aquazoo Löbbecke Museum. Daher wird dort ständig an der Nachzucht bedrohter Arten gearbeitet.

Lesen Sie demnächst über den Papageitaucher!

Amerikanischer Stechrochen – im eleganten Flug durch das Meer

amerikanischer-stechrochen-im-aqzuazoo-jaegerfeldLautloser Flügelschlag, sanftes Gleiten – es naht der Amerikanische Stechrochen (Hypanus americanus). Bis zu 120 cm Breite misst sein rautenförmiger Körper, bis zu 2 Metern wird er lang. Im Ozean taucht er bis zu 25 Meter tief, hält sich als Wärme liebendes Tier jedoch gerne in Küstennähe auf. Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich von der US-amerikanischen Ostküste bis nach Brasilien und in die Karibik.

Die Oberseite des Plattenkiemers ist dunkelgrau bis olivgrün, seine Unterseite fällt mit hellem Weiß und einem „Gesicht“ auf. Tagsüber ist der Fisch eher inaktiv. Von einer dünnen Sandschicht bedeckt, liegt er nahezu unsichtbar am Meeresgrund. Nachts erwacht der Jäger in ihm und der Rochen stellt seiner Beute nach: kleinen Knochenfischen, Krusten- und Weichtieren.

Gegenüber Tauchern ist der Rochen scheu. Nähern sich jedoch Fressfeinde, oder tritt ein Mensch versehentlich auf das ruhende Tier, kommt der Giftstachel am Schwanzende zum Einsatz. Dieser kann schwerste und sogar tödliche Verletzungen verursachen.

Rochen gehören, wie Haie und Seekatzen, zu den Knorpelfischen. Charakteristisch ist ihre abgeplattete Körperform. Die stark vergrößerten muskulösen Brustflossen werden durch ein strahlenförmiges Skelett gestützt. Rochen besitzen auf der Bauchseite fünf Paar Kiemenspalten. Augen und Spritzloch (zum Einsaugen von Atemwasser) liegen auf dem Rücken. Die Weibchen der Amerikanischen Stechrochen gebären 3 bis 5 lebende Jungtiere, die ca. 20 cm groß sind.

Lesen Sie demnächst über den Grünen Leguan!

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Das Skelett eines Rochens

Seenelken – die Blumenkinder des Meeres

seenelken-im-aqzuazoo-jaegerfeldEin Blume, die am Meeresgrund wächst? Pflanze oder Tier? Die Seenelke (Metridium senile) ist eine Art aus der Ordnung der Seeanemonen, die zu der Klasse der Blumentiere gehören. Unzählige feinste Tentakel oben auf der Körpersäule, nahe der Mundscheibe, verleihen ihr ein federartiges Aussehen. Mit diesen zarten Fangarmen führt sie sich ihre Nahrung zu: Kleinkrebse und Schwebeteilchen. Abfälle werden dabei über die Kante der Mundscheibe hinabgeworfen.

Seenelken beherrschen zwei Arten der Fortpflanzung, eine unauffällige und eine ungewöhnliche: Bei der ersten werden schwimmende Eier oder Larven im Wasser befruchtet. Bei der zweiten schnürt sich die Nelke selbst kleine Gewebestücke ab, die zu identischen Tieren heranwachsen.

Seenelken leben im Atlantik, im Pazifik, in der Nord- und Ostsee und im Mittelmeer, wo sie sich in Tiefen bis zu 200 Metern auf verschiedenen Untergründen wie Holz, Felsen oder Sand ansiedeln. Die Strömungsstärke in ihren Habitaten kann sehr unterschiedlich sein. Dagegen ist die Seenelke jedoch gut gewappnet: Sie kann die Länge ihrer Körpersäule regulieren, um sich den Lebensbedingungen optimal anzupassen. Wenn sich diese jedoch verschlechtern, wird es spannend: Wie alle Blumentiere können nämlich auch die Seenelken in Extremfällen oder bei Bedrohung wandern. Mit ihrer Fußplatte kriechen sie immerhin einige Millimeter am Tag. Oder sie lösen ihren Saugfuß, ziehen ihre Tentakeln ein und lassen sich als aufgeblähte Kugel von der Strömung an einen besseren Ort davontragen. Fressfeinde wie Seespinnen oder Schnecken gucken in die Röhre.

Lesen Sie demnächst über den Amerikanischen Stechrochen!

Zylinderrosen – leuchtende Solitäre am Meeresgrund

zylinderrosen-im-aqzuazoo-jaegerfeldIm Aquazoo Löbbecke Museum fallen sie sofort wegen ihrer strahlend bunten Tentakel ins Auge, die sich weiß, grün und violett sanft in der Strömung wiegen: die Zylinderrosen (Ceriantharia). Sie leben in bis zu 50 Metern Tiefe, auf schlammigen oder sandigen Böden. Dort bauen sie sich ihre lederartige Wohnröhre aus Sandkörnern, verhärtetem Schleim und ausgestoßenen Nesselkapseln. Bei Gefahr können sie sich blitzschnell in diese Röhre zurückziehen.

Zylinderrosen sind Solitäre: Sie brauchen Platz für ihre Fangtentakel und können daher nicht in engen Gruppen leben. Ein Tier von 2 cm Durchmesser kann z. B. eine Fangzone von 60 cm Durchmesser haben! Ihre Nahrung besteht aus Kleinkrebsen und kleinen Medusen. Da sie zum Stamm der Nesseltiere gehören, sind sie mit den Quallen verwandt. Und wie auch diese verfügen sie über ein Nesselgift, um sich gegen andere Arten im Kampf um den Lebensraum zu schützen.
Zylinderrosen sind Zwitter-Wesen, also Individuen mit männlicher und auch weiblicher Geschlechtsausprägung, und sie pflanzen sich meist geschlechtlich fort.

Das Habitat der Zylinderrosen sind die Sedimentböden kühler bis tropischer Meere – heute sind diese überall bedroht. Faktoren wie die globale Klimaerwärmung und Fischfang mit Grundschleppnetzen zerstören diese vielfältigen Lebensräume in dramatischer Weise. Ein Grund mehr, sich mit den wundervollen Lebewesen am Meeresgrund zu befassen. Denn nur was man kennt, wird man schützen.

Lesen Sie demnächst über die faszinierenden Seenelken!

Zwei Monate Aquazoo Löbbecke Museum – Dr. Jochen Reiter zieht Bilanz

 

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Dr. Jochen Reiter im Interview

Lieber Herr Dr. Reiter, vor rund zwei Monaten wurde der neue Aquazoo eröffnet. Wie geht es Ihnen heute?
Mir geht es gut. Der Zuspruch der Öffentlichkeit ist nach wie vor einfach unfassbar. Und es waren wirklich keine Fake-News, dass wir am 11.11. den 111.111. Besucher empfangen konnten. Jetzt sind wir schon bei über 120.000 Gästen. Und das nach acht Wochen! Da merkt man, dass wir schmerzlich vermisst wurden.
Aber die Situation hat etwas von Kneipp-Treten – mal heiß, mal kalt. Denn diese Menschenmengen bescheren uns auch logistische und kommunikative Probleme. In den Medien wurde breitgetreten, wie lang die Warteschlangen sind. Wir haben uns natürlich lange Gedanken gemacht, wie wir die Besucherströme über den Tag verteilt kanalisieren können. Daher sind wir in das Online-Ticketing mit Zeitfenstern eingestiegen. Das war ja durchaus etwas Neues. Kein anderes Institut arbeitet damit, aber die anderen haben auch nicht unsere Besuchszahlen. Das System wurde auch gut angenommen.
Gerade an Wochenenden und Feiertagen gab es jedoch zu viele Besucher, die spontan an der Tageskasse Tickets kaufen wollten. Man muss wissen, dass wir limitiert sind auf 850 Personen, die gleichzeitig im Institut sein dürfen. Wenn die Zahl erreicht ist, dann heißt es einfach „Schotten dicht“. Der Vorteil des Ticket-Systems: diejenigen, die sich auf einen Tag und eine Uhrzeit festlegen, haben garantierten Einlass. Wir wiederum müssen im System immer einen Puffer freihalten, damit die Online-Ticket-Besitzer auch wirklich Einlass finden, ohne eben warten zu müssen. Die Online-Ticket-Buchungen liegen mittlerweile bei 50 bis 70 %.
Wir haben unser Möglichstes getan, das Thema gut zu kommunizieren. Über die Presse, auf der Homepage, bei Facebook und im Freundeskreis-Blog – überall wird plakativ informiert. Über das Amt für Verkehrsmanagement haben wir zusätzlich noch eine digitale Informationstafel vor dem Parkplatz-Eingang bekommen, die zeigt die aktuelle Wartezeit an. Unsere Kasse und das Verkehrsleitzentrum kommunizieren in Echtzeit.

Natürlich gibt es aber immer Leute, die sich beschweren wollen. Das Zeitalter der sozialen Medien bringt es eben mit sich, dass manche Menschen unschöne Kommentare sofort auf Facebook posten oder schlechte Bewertungen bei Google abgeben, nur weil sie warten müssen. Ich könnte allein schon einen Mitarbeiter für das Beschwerdemanagement einstellen. Andererseits habe ich über 120.000 Gäste, die begeistert sind, die zufrieden sind, die rausgehen und uns weiterempfehlen. Diese Menschen posten aber leider weniger. Unsere Bewertung bei Google wird hoffentlich im nächsten Jahr wieder besser, wenn sich die Situation entspannt hat. Wann dieser erste Besucheransturm nun einbrechen oder zurückgehen wird, vermag ich nicht zu sagen. Wenn die Besucherzahlen im Schnitt so weitergehen, sind wir nach einem Jahr bei 720.000. Eher unwahrscheinlich. Aber ich bin zuversichtlich, dass wir das Ziel, nach einem Jahr 500.000 Besucher empfangen zu haben, erreichen können.

Wie ist die Stimmung bei Ihren Mitarbeitern?
Meine Mitarbeiter haben eine Menge geleistet. Viele sind urlaubsreif. Wenn ich könnte, würde ich sie alle gerne in den Urlaub schicken. Wir sind immerhin dabei, Überstunden abzubauen. Es gibt auch noch Nachwehen der Eröffnungsphase zu verkraften. Einige Aquarien sind noch sehr pflegeintensiv. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an der Tageskasse haben es manchmal mit aufgebrachten Wartenden zu tun. Kürzlich hat eine junge Mutter die Nerven verloren und ist mitsamt ihren verdutzten Kindern einfach ohne Ticket ins Haus eingedrungen, mit der Aussage, sie hätte keinen Bock mehr zu warten. Unfassbar! Und nicht auszudenken, wenn sich da noch mehr Leute angeschlossen hätten! Daher haben wir uns sehr gut aufgestellt im Bereich Kasse, Aufsicht und Security. Die Security-Leute informieren übrigens schon auf den Parkplätzen zur Wartesituation.

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Seit der Wiedereröffnung leider an der Tagesordnung: Vandalismus und Diebstahl

Einige Besucher scheinen mutwillig immer wieder Exponate der Ausstellung zu beschädigen. Was sagen Sie zu dieser Zerstörungswut?
Erwischt haben wir bisher niemanden, Das eine Thema ist der Vandalismus, der ist schlimm. Aber wir sind ein so gut besuchtes Institut, dass ich meine, irgendjemand muss die Beschädigung doch gesehen haben. Es geht mir also auch um Zivilcourage, zu der ich aufrufen möchte. Ich weiß, dass diese Diskussion negativ ist und wehtut, wo wir doch auf der Erfolgswelle der Wiedereröffnung schwimmen, aber ich möchte sie führen. Es gibt eben leider Leute, die mutwillig etwas zerstören wollen und auch das passende Werkzeug dabei haben, um z. B. Stahlseile zu durchtrennen, Seitenschneider oder ähnliches. Okulare aus der Mikroskopierstation sind herausgeschraubt worden. Die Weltkugel aus unserer Ausstellung wurde abgerissen. Sieben Spielstationen für Kinder wurden beschädigt, zum Teil mehrfach. Auch manche Eltern schauen in Ruhe zu und sagen nichts, während ihre Kinder auf dem Mobiliar turnen. Seit ich das Thema öffentlich gemacht habe, beklagen wir keinen Vandalismus mehr. Ob es da einen kausalen Zusammenhang gibt? Ich weiß es nicht.

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Herr der Haie: Dr. Jochen Reiter

Wie geht es den Tieren? Haben sie sich gut eingelebt? Sind sie gesund?Die Tiere haben sich gut eingewöhnt, wobei eines länger und eines kürzer dafür braucht. Wir sind professionelle Tiergärtner und wissen, was wir tun. Wir arbeiten ja stark in Richtung Vergesellschaftung von Tieren. Und wie in jeder guten Familie gibt es da auch mal Streit. Auch wenn es durch unsere eigene Expertise und durch die anderer Häuser möglich ist, Schwarzspitzenriffhaie und Rochen gemeinsam zu halten, so kann es doch immer wieder Irritationen in solch einer Gemeinschaft geben. Und schließlich haben wir ein einzigartiges Setup, welches man nicht mit anderen vergleichen kann. Unsere Pfleger tun alles zum Wohle der Tiere. Die Haie z. B. werden separat gefüttert. Unsere Pfleger nutzen eine Greifzange mit einem Futterfisch daran. Die Rochen lassen sich sogar von Hand füttern. Unsere Tierärztin, Dr. Karin Grassl, ist immer da, sollte es einem Tier mal schlecht gehen. Ein gutes Zeichen für das Wohlbefinden unserer Tiere sind unsere Nachzuchten. Schon im Februar gab es ja erstaunlichen Nachwuchs bei den Krustenechsen, eine absolute Seltenheit! Zwischendurch hatten auch die Katzenhaie Nachwuchs, auch jetzt haben sie ihre Eier wieder in das Becken abgelegt. Auch bei den Gundis gibt es immer viele Junge. Hier erfüllen wir gerne eine ganz wesentliche Aufgabe von Zoos: die Arterhaltung.

Das Aquazoo Löbbecke Museum hat eine Doppelfunktion: „Zoo meets Naturkundemuseum.“ Ein echtes Alleinstellungsmerkmal?

Als Prof. Dr. Zahn das Konzept 1987 umgesetzt hat, war es weltweit mitunter einmalig. Natürlich haben wir es im Laufe der Jahre umgestellt, ergänzt und erweitert, zum Beispiel mit dem Thema Artenschutz. Andere Einrichtungen sind unserem Vorbild dann gefolgt, z. B. das Darwineum in Rostock, der Westflügel des Naturkundemuseums Karlsruhe oder das Meeresmuseum in Stralsund. Auch die Macher des neuen Naturkundemuseum Biotopia in München haben uns kürzlich besucht, um sich von uns Tipps zu holen, wie man das Konzept, lebende Tiere in der Kombination mit Exponaten umsetzen kann. Jedoch: Niemand hat das so ganzheitlich getan wie wir. Allein vom Gebäude her: der Gang durch das Museum ist dem Nautilus mit seinen Kammern nachempfunden. Vor diesem Hintergrund würde ich sagen: Ja, wir sind mit unserem Haus in Deutschland nach wie vor einmalig.

Das Motto des neuen Aquazoos ist „Ursprung – Evolution – Vielfalt“. Gibt es einen Unterschied zur alten Konzeption?
Nein, aber wir haben sie stärker herausgearbeitet. Und wir wollen die Ausstellung mit allen Sinnen erfahrbar machen. Die Themenwelten sind in Farbe getaucht, so weiß man intuitiv, ich bin im Meer, oder ich bin im Süßwasser. Den Kindern erklären Schlammspringer Fred und Theodor Löbbecke in den Übergängen der Bereiche zudem, was sie wissen müssen. Ein wichtiger Aspekt beim Erleben der Ausstellung ist das „Free-Choice-Learning“. Man ist angehalten, auf Entdeckungsreise zu gehen und die Ausstellung explorativ zu erfahren. Bei dem vielfältigen Angebot ist für jeden etwas dabei.

Der Besucher soll „erleben, verstehen und bewahren“? Hat er das Bewahren schon gelernt?
Das könnten Sie Herrn Dr. Finke fragen. Er ist als leitender Pädagoge nah dran an den Menschen und gerade extrem nachgefragt. Aber ein Beispiel: In der Ausstellung gibt es das Skelett einer Schildkröte. Wo würde man bei einer Schildkröte die Wirbelsäule vermuten? Die meisten sagen: in der Mitte des Panzers. Sie verläuft aber rückenpanzernah. Das ist ein grandioses Beispiel für Bildung. Man versteht: Wenn man also einer Schildkröte auf den Rückenpanzer klopft, ist das so, als würde man Ihnen auf den Kopf hauen! Wenn also jemand sieht, dass Tierhalter unwissentlich ihre Schildkröte falsch handhaben, wird er aufgrund seines Wissens einschreiten. Die Vorträge, die Dr. Elmar Finke im Institut und draußen in den Schulen hält, sind da enorm wichtig.
Zudem nimmt auch das Insektensterben dramatisch zu. Irgendwann wird auch der Letzte merken: Wenn es keine Bestäuber mehr gibt, haben wir keine Kulturpflanzen mehr und keine Nahrung. Wir sind ein Haus, welches auch ein Insektarium hat. Auch wenn vielen beim Anblick von Insekten der Rücken kribbelt, überwiegt doch die Neugier und man beschäftigt sich damit. Hier machen wir viel Aufklärungsarbeit. Bekanntlich schützt man nur das, was man kennt! Wir leisten also viel in Sachen Arten-, Natur- und Umweltschutz. Wir schärfen das Bewusstsein. Und Stück für Stück geht man doch nachhaltiger durchs Leben.

Wie entwickeln sich die Patenschaften, die neben den Tieren nun auch Exponate und Pflanzen umfassen?
Die Tierpatenschaften schießen bei uns durch die Decke! Wir haben jetzt circa 200 Tierpaten. Sehr viele Tierarten sind schon vergriffen. Unsere „Hochkaräter“, Haie, Pinguine oder Rochen, kommen einfach an. Aber auch andere: Die Firma Seestern hat sich das Seesternbecken gesichert. Ein HNO-Arzt hat sich das Ohrenquallenbecken geschnappt. Ein Augenarzt die Brillenpinguine. Antenne Düsseldorf den Antennenwels. Es ist zum Sport geworden, passende Tiere zu finden. Ich bin bei den Düsseldorfer Jonges, in der Tischgemeinschaft Pastor Jääsch. Diese hegt und pflegt seit über 20 Jahren eine dem Aquazoo Löbbecke Museum gestiftete Schneckenplastik. Pastor Jääsch war ein Gefängnispastor. Bei uns gibt es den Sträflings- oder Gitterfisch. Da habe ich mir gedacht: das wäre doch das perfekte Patentier für die Tischgemeinschaft. Die Patenurkunde haben wir dann feierlich überreicht. Manche Menschen verbinden auch mit kleinen Geschöpfen sehr viel, wie zum Beispiel mit dem Rotaugenlaubfrosch oder dem Moosfrosch.
Auch wenn es nicht Jedermanns Sache ist, Pate einer Schabe zu werden, so fasziniert auch diese Art. Madagaskar-Fauchschaben z. B. kommunizieren mit acht verschiedenen Fauchlauten! Das Leben schreibt ja immer besondere Geschichten, vielleicht finden sich auch Paten für die Tausendfüßer, die Stilaugenfliegen oder die Milchkrautwanzen. Hier gibt es ein ganzes Terrarium für 100 Euro. Auch eine einzige Pflanzenpatenschaft haben wir bisher, für den Elefantenfuß, im Gehege der „Old Lady“, dem Australischen Süßwasserkrokodil. Das könnte noch mehr werden! Wir bekommen aber eine prominente Patin für ein Exponat: unser U-Boot „Nautilus“ in der Ausstellung „Meer und Mensch“. Die Messe „boot“ wird diese übernehmen!

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Begeistert Kinder: Schlammspringer Fred

Wie ist das Feedback von Kindern, Eltern und Lehrern auf die didaktischere Ausstellungskonzeption?
Ganz toll. Überall wird ausprobiert und gespielt. Wir haben uns bewusst für viele analoge Medien entschieden und sind behutsam mit dem neuen digitalen Angebot umgegangen. Die Kletterstrecke zwischen Süßwasser und Land wird fast schon zu intensiv genutzt, erste Spuren der Abnutzung sind sichtbar. In den Übergangsbereichen erklärt Schlammspringer Fred den Kindern, was sie hier sehen. Das kommt gut an.

Wo lebt eigentlich das Maskottchen der Kinder, „Fred, der Schlammspringer“?
Der lebt mit seinen Artgenossen in seinem Gehege, aber wir haben ihn nicht speziell gekennzeichnet.

Wie wird die neue Ausstellung „Meer und Mensch“ angenommen?
Sehr gut. Auch hier gibt es ja interaktive Elemente. Mal abgesehen davon, dass am U-Boot schon wieder einige Knöpfe herausgerissen wurden … Die Vielfalt der Ausstellung ist gelungen. Im kleinen Kino kann man Filme vom Tauchpionier Hans Hass gucken. Es gibt eine schöne Ecke für Pädagogen und als interaktives Element die Giftnotrufsäule und tolle Exponate, wie den Mondfisch.

Sie selbst und auch der Freundeskreis streben eine Erweiterung des Aquazoos an. Ein Traum oder irgendwann machbar?
Konkrete Pläne gibt es momentan noch nicht. Das Aquazoo Löbbecke Museum ist eines der beliebtesten Museen in Düsseldorf. Man hat mich, denke ich, auch nicht als Bestandsverwalter geholt. Zudem benötigen wir perspektivisch schon Möglichkeiten, uns nachhaltig zu attraktiv zu halten. Wir sind eben kein Flächenzoo und haben auch keine große Sonderausstellungsfläche. Mehr Besucher werden wir langfristig auch nur mit einem zusätzlichen Angebot gewinnen können. Wenn hier nicht nachgelegt wird, werden die Besucherzahlen heruntergehen. Denn die Erfahrung zeigt: Die Leute lechzen heute nach immer Größerem – in immer kürzeren Intervallen. Auch die Fragen nach der Legitimierung von Zoos und den Herausforderungen der Tierhaltung werden größer. Das ist auch richtig so, und hier sind wir gut aufgestellt.

Die Advents- und Weihnachtszeit steht vor der Tür. Feiern Sie diese mit den Kollegen in diesem Jahr besonders?
Wir sind gerade dabei, ein bisschen was zu organisieren, aber aufwändig wird es nicht, und das wird auch nicht erwartet. Wir werden einfach einen Nachmittag zusammen verbringen. Ich werde sicherlich einen kleinen Jahresrückblick geben. Da gibt es viele Fotos, die lustig sein werden, oder unfreiwillig lustig, von den Phasen der Sanierung. Die werde ich zeigen. Wir werden nur einfach beisammen sein und entschleunigen.

Die Sonderöffnungszeiten bis 20 Uhr am Abend gelten noch bis zum 23. Dezember. Nach den Feiertagen ist der Aquazoo bis 18 Uhr geöffnet. Gibt es evt. eine Chance auf Verlängerung der Sonderöffnungszeiten oder auf einen langen Abend in der Woche, wie bei manchen Museen?
Das letzte Zeitfenster, von 18 bis 20 Uhr, wird tatsächlich wenig genutzt, daher werden wir die Sonderöffnungszeiten nicht verlängern. Einen langen Abend – darüber denken wir schon nach. Dann aber sicher nicht jede Woche sondern exklusiver, eher einmal im Monat. Wir müssten schauen, wie das ankommt. Ein Sponsor wäre evt. auch hilfreich für die Umsetzung. Den haben wir aber derzeit nicht.

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Rückblick Rosenmontag 2017: Freundeskreis-Chef Michael Fischer mit Familie

Beim nächsten Rosenmontagszug 2018 wird das Aquazoo Löbbecke Museum nicht dabei sein?
Nein, wir brauchen mal eine Pause. Aber wer weiß, vielleicht in Zukunft? Es gibt ja auch steigende Mitgliedszahlen im Freundeskreis. Es wäre denkbar, dass man aus diesen Reihen eine Taskforce bildet, die Lust dazu hätte und die ganze Organisation übernehmen würde. Schließlich leben wir in Düsseldorf. Da wird sich schon jemand finden.

Sie haben mit dem ganzen Team in 2017 viel geleistet und viel erreicht. Haben Sie schon konkrete Pläne für das neue Jahr?
Bis Mitte 2018 muss sich der Regelbetrieb noch besser einspielen und daher werden wir neue Projekte nicht angehen können. Gerade im technischen Bereich z. B. ist noch unglaublich viel zu tun. Wir müssen das letztlich auch von personellen Möglichkeiten abhängig machen. Wir denken auf jeden Fall über Vortragsreihen mit guten Referenten zu spannenden Themen nach. Und über Sonderausstellungen natürlich.

Herr Dr. Reiter, danke für das Gespräch.

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Auf Spurensuche bei den Spielstationen: Mensch oder Tier?