Brillenpinguine fühlen sich pudelwohl

Die Brillenpinguine (Spheniscus demersus) im Aquazoo Löbbecke Museum haben sich in ihrem Gehege gut eingelebt und fühlen sich wie der sprichwörtliche Fisch im Wasser – obwohl sie Vögel sind. Die Tiere können zwar nicht fliegen, dafür aber hervorragend schwimmen und tauchen. Die Pinguine sind ausgesprochen neugierig und tauchen sofort heran, wenn sich auf der anderen Seite der Unterwasserscheibe etwas tut, sich zum Beispiel eine Fotografin mit Kamera zeigt. Die energiegeladenen Tiere versprühen eine gute Laune, von der man sich gerne anstecken lässt. Brillenpinguine leben im küstennahen Afrika und sind auch die einzige Pinguinart auf dem afrikanischen Kontinent. Sie werden bis zu 70 cm groß und bis zu 3 kg schwer, erreichen ein Alter von bis zu 20 Jahren. Die Weibchen legen jährlich zwei Eier, die von beiden Eltern ca. 40 Tage lang abwechselnd bebrütet werden. Der Nachwuchs ist nach ca. 85 Tagen flügge und hat sich vom Daunenkleid zum Alterskleid gemausert. Der Bestand der Brillenpinguine ist dramatisch gefährdet – sie stehen daher unter strengem Naturschutz. In Zoos, wie auch dem Aquazoo Löbbecke Museum, werden die dortigen Populationen in einem internationalen Zuchtprogramm koordiniert.

Willkommen im Aquazoo: Direktor Dr. Jochen Reiter

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Herr Dr. Reiter, wie geht es Ihnen nach den ersten Tagen in Düsseldorf?
Ich bin dabei, mich einzugewöhnen. Ich fahre jeden Morgen aus Duisburg-Rumeln-Kaldenhausen zum Aquazoo/Löbbecke Museum. Um halb sieben bin ich auf die Strecke. Meist bin ich 40 Minuten über Bundesstraßen unterwegs, da mache ich mir die ersten Gedanken zum Tag. Am Institut arbeite ich dann mit einem wirklich hochmotivierten Team ist, das freut mich.

Erzählen Sie uns etwas über Ihre Familie?
Meine Familie und meine privates Umfeld geben mir Kraft für den Beruf. Meine „Work-Life-Balance“ ist mir wichtig. Unsere Zwillinge sind bald 5 Jahre alt, Mädchen und Junge. Zum Glück haben wir viel Unterstützung durch Verwandtschaft und Nachbarschaft. Wir bleiben auch in Duisburg wohnen, denn wir sind dort einfach angekommen. Meine Frau ist Tierärztin, wir haben uns im Opel-Zoo im Taunus kennengelernt. Ein herrlicher Zoo übrigens, weitläufig und der einzige Verbandszoo Deutschlands, der ohne finanzielle Unterstützung auskommen muss. Meine Frau Julia hatte den Zoo damals medizinisch mit betreut. Beim Abholen von Medikamenten habe ich Julia getroffen … und alles nahm schnell seinen Lauf. Wir gingen dann nach Duisburg. Nach dem Taunus war das erst mal ein kleiner landschaftlicher Kulturschock. Wer die Region erkundet, merkt aber, dass sie stellenweise total grün ist und man findet stille Orte.

Mit wieviel Jahren wollten Sie Zoodirektor werden?
Aus diesem Klischee schere ich aus – ich plante das nicht schon als Kind. Aber wir hatten seit meiner Einschulung unseren „Haustiger“, den Kater Felix. Der Name bedeutet ja „der Glückliche“, das war er auch, er wurde stolze 21 Jahre alt. Er ist als echtes Familienmitglied mit mir groß geworden und hat mich in meiner Tierliebe geprägt. Aktuell haben wir kein Haustier, wollen aber evt. einen Hund anschaffen. Mit einem Tier kann man Kindern gut den Respekt vor der Natur und vor den Lebewesen beibringen. Man ist oft draußen in der Natur, das fördert die Naturverbundenheit. In der Oberstufe kam bei mir der Wunsch auf, beruflich mit Tieren zu arbeiten. Während meines Studiums in Erlangen habe ich in der Verhaltensforschung gearbeitet und bedrohte Kängurus betreut – habe sie gefüttert, Workshops organisiert, Verantwortung übernommen. Der Nürnberger Tiergarten war ganz in der Nähe, dort habe ich zwischendurch als Hilfstierpfleger gearbeitet. Meine Diplomarbeit hatte das Sozialverhalten von Geparden zum Thema. Meine spätere Promotion führte mich dann auf die Philippinen. Forschungsthema: Nahrungsökologie von Flughunden. Prof. Curio von der Ruhruniversität Bochum hatte das Projekt ins Leben gerufen. Hier erwartete mich das komplette Potpourri von Auslandsarbeit! Ich blieb drei Jahre auf den Philippinen, habe sehr einfach gelebt, fernab der Zivilisation. Sieben Jahre später reiste ich mit meiner Frau dorthin. Sie konnte sich kaum vorstellen, wie ich in der völligen Abgeschiedenheit hatte leben und zurechtkommen können. Ich sage scherzhaft: Das war „Big Brother für Akademiker“, mit allen Ups and Downs. Ich weiß seitdem, auf welch hohem Niveau wir hier leben. Und auch, dass man seine westeuropäische Prägung nicht ganz ablegen kann.

Was fasziniert Sie an der Arbeit mit Tieren bis heute?
In den letzten Jahren war ich ja mehr Manager und habe weniger mit den Tieren gearbeitet. Ich habe natürlich eine große Bewunderung für die Natur und für die Tiere und staune angesichts der Formenvielfalt und Anpassungsfähigkeit. Es fasziniert mich, wenn neue Säugetiere entdeckt werden. Jedoch: Der Verlust der Biodiversität ist ein Riesenthema für uns alle. In 50 Jahren werden wir vielleicht die Hälfte der heute bekannten Arten verloren haben! Die schreckliche Abholzung im großen Stil auf Madagaskar und auf den Philippinen habe ich mit eigenen Augen gesehen. Viele Tiere ganz oben in den Baumkronen sterben. Viele davon kennen wir heute noch gar nicht, primär Insekten. Aber auch Säugetiere trifft es – dem Pelzhandel fallen nach wie vor viele Arten zum Opfer. Viele Menschen wissen gar nicht, wie schlecht es um die Amphibien in Deutschland und weltweit steht. Wir am Aquazoo arbeiten z. B. mit unserem Amphibienprojekt dagegen an. Der Mensch ist zwar intelligent, schützt aber leider seinen Planeten nicht. Ich denke, man kann nur schützen, was man kennt. Ein Zoo ist immer auch Stätte der Forschung. Ich komme aus einem Zoo mit Delphinhaltung, die oft kritisiert wird. Allerdings kann man im Zoo die Art kontrolliert erforschen und diese Erkenntnisse haben praktische Relevanz für den Arterhalt. Diese Tiere sind wichtige Botschafter für die Natur und den Artenschutz. Wir möchten die Öffentlichkeit bilden und sensibilisieren. Das ist die Haupt-Legitimation eines Zoos.

Haben Sie ein Lieblingstier?
Wenn ich überhaupt eine Präferenz äußern muss, dann sind es Katzen. Z. B. der Schneeleopard, weil er in seiner Anmut nicht zu übertreffen ist. Wie er sich anschleicht! Er hat seinen Charakter! Ich habe aber auch Sinn fürs Schräge: die Nacktmulle hätten Potenzial zum Lieblingstier. Ich finde, die sehen so skurril aus, dass sie schon wieder schön sind.

Sie kommen aus Bayern, waren dann im Taunus beschäftigt, danach neun Jahre in Duisburg. Reicht das, um ein echter Rheinländer zu werden?
Ich komme aus Landau an der Isar. Beim Studium in Erlangen war ich als Niederbayer sogar „Ausländer“ im eigenen Bundesland, auch wenn man jetzt tiefer in die bayerische Geschichte einsteigen müsste (lacht). Ich bin als Mensch unkompliziert, geradlinig, offen. Ob einer aus dem Pott oder aus Hessen kommt – ich freunde mich mit allen an. Verschiedene Menschenschläge kennenzulernen, macht offener und lockerer. Ich erwarte allerdings auch Offenheit von meinem Gegenüber: Wer nicht mit ehrlichen Karten spielt, den schätze ich nicht. Schön sind auch Dialekte. Im tiefsten Hessen fragte man mich mal beim Einkaufen: „Brauchn‘s an Tut?“. Ich habe echt nicht verstanden, dass man wissen wollte, ob ich eine Tüte bräuchte. Mein Dialekt ist mittlerweile nur noch leise zu hören, aber natürlich lege ich Wert drauf, dass man noch hört, woher ich komme.

Was ist der Unterschied zwischen einem Wissenschaftlichen Leiter und einem Zoodirektor?
Der Wissenschaftliche Leiter ist Rückgrat des Direktors. Als solcher habe ich mit meiner Mannschaft das Tagesgeschäft gemeistert, den Zoo vorangebracht. Die Arbeit war auch noch mehr am Tier. Aber durch verschärfte EU-Richtlinien und stetig gestiegene Haltungsanforderungen ist man schon ziemlich an den Bürostuhl gefesselt. Die kurative Arbeit mit den Tierpflegern hat darunter etwas gelitten. Jetzt habe ich große Verantwortung als Chef des Hauses und noch mehr Personalverantwortung als bisher. Ich will noch mehr Vorbild sein. Als Direktor habe ich auch viele repräsentative Aufgaben. Beim Aquazoo/Löbbecke Museum handelt es sich ja um einen Zoo UND ein Naturkundemuseum! Das finde ich wichtig hervorzustellen. Ich werde ein Leitbild ausgeben, in welche Richtung sich das Institut entwickeln soll. Dabei will ich meine Leute mitnehmen, sie sollen gerne zur Arbeit kommen, schließlich sind wir alle einen Großteil unseres Lebens hier.

Was ist derzeit die größte Herausforderung für die Mitarbeiter?
Das Durchhalten! Wir schaffen das gemeinsam, es dauert jetzt eben länger als gedacht. Wir werden unseren Optimismus behalten und motiviert auf der Zielgerade Richtung Neueröffnung gehen. Ich habe eine richtig tolle Mannschaft hier. Und die hat sicher in letzter Zeit viele „Schuppen“ gelassen. Die Tierpfleger sind aber alle zu Tausend Prozent bei ihren Tieren, die Fische sollen jetzt endlich sukzessive in ihre neue Aquarien. Wir reden allerdings von ca. 600.000 Litern Süßwasser und 500.000 Litern Meerwasser!

Der Aquazoo eröffnet im März 2017. Können Sie auf Details der Zoo-Gestaltung noch Einfluss nehmen?
Das Meiste ist auf der Zielgeraden und das ist auch gut so. Alles ist geplant, in Details kann ich mich aber sicher noch einbringen, z. B. in die Kulissengestaltung, beim letzten Schliff … das meiste betrifft sicherlich die vielfältigen organisatorischen Vorbereitungen bis zum großen Tag.

Auf welche neuen Tiere dürfen wir uns freuen?
Als einer der wenigen Zoos in Europa werden wir Papageitaucher haben. Dann gibt es einen Wechsel von den Eselspinguinen auf die Brillenpinguine und wir freuen uns auf die großen Rochen!

Derzeit versucht der Freundeskreis, über Patenschaften, Spenden und Mäzenatentum an mehr Unterstützung aus der Wirtschaft und von Privatpersonen zu gelangen. Haben Sie neue Konzepte zur Förderung des Zoos?
Ich bitte darum, mir erst mal die berühmten 100 Tage Einarbeitungszeit zu geben, da entwickeln sich dann sicher gute Ideen und die werden sich auch konkretisieren. Ein Stichwort kann ich schon geben: das Eventmanagement werde ich nicht außer Acht lassen. Wir müssen dabei mit der vorhandenen räumlichen Enge umgehen und spielen.

Hat der Aquazoo ein Alleinstellungsmerkmal?
Absolut: das Konzept von Zoo UND Naturkundemuseum ist europaweit einmalig. Lernen und Erleben in einem. Das Konzept von Prof. Zahn hat an Aktualität nicht verloren. Eine Besonderheit ist auch unser Amphibienprojekt und wir sind stolz auf unsere pädagogischen Konzepte. Da sind wir schon lange führend, aber es ist natürlich immer Luft nach oben. Schön ist übrigens auch, dass der Aquazoo viel kindgerechter werden wird. Wir achten auch mehr auf Barrierefreiheit. Vieles wird wirklich hochmodern, z. B. das Beleuchtungskonzept.

Wird der „neue“ Aquazoo  auch ein neues Logo erhalten?
Ja, das ist bereits in Auftrag gegeben.

Apropos Marketing: Braucht der Aquazoo wieder ein populäres Maskottchen wie Nemo?
Die Kombination Dr. Gettmann und Nemo ist absolut einmalig, beide habe ich vor meinem offiziellen Start privat kennengelernt. Es war ein tolles Treffen! Ich sehe mich aber nicht als jemanden, der kopiert. Das wäre auch nicht authentisch. Ich komme auf unser Alleinstellungsmerkmal zurück, der Charakter als Doppelinstitut. Das müssen wir zukünftig sicher deutlicher herausarbeiten. Und wer weiß, mit den Maskottchen verhält es sich oftmals wie mit der Liebe: sie kommt dann, wenn man nicht damit rechnet!

Wenn Sie sich etwas wünschen dürften: wo stünde der Aquazoo 2020?
Ich formuliere es mal so: Nicht nur auf diesem Platz. Wer weiß, vielleicht wird es einmal Außenanlagen geben? Anbauten wären schon toll. Stetige Erneuerungen sind auch in der Außenwahrnehmung wichtig. Und man soll ja nicht aufhören, Visionen zu haben.

Verraten Sie schon, was zur Eröffnung geplant ist?
Nein! Lassen Sie sich überraschen!

Herr Dr. Reiter, vielen Dank für das Gespräch.

Afrikanische Botschafter: die Brillenpinguine kommen

Afrikanische Pinguine (Speniscus demersus), auch Brillenpinguine genannt, werden ab dem nächstem Jahr auch im Aquazoo Löbbecke Museum zu sehen sein. In der neuen Anlage erwartet sie eine typisch südafrikanische Küstenlandschaft aus Kunstfelsen. Denn Afrikanische Pinguine leben beidseitig des Kaps an den Küsten Südafrikas, den Küsten Namibias und den dortigen Inseln.
In der Natur gelten Afrikanische Pinguine als bedroht. Es gibt noch maximal 80.000 Tiere. Größte Bedrohung für die Pinguine ist der Verlust des Lebensraums und die Verschmutzung der Küsten und Meere. Insbesondere zunehmender Plastikmüll im Meer und Ölkatastrophen sind ein großes Problem für das Ökosystem, in dem die Brillenpinguine leben. Mit der kommerziellen Fischerei haben die Tiere zudem einen starken Konkurrenten um ihre Nahrung. Da die Tiere sich an den Küsten und Sandstränden aufhalten, wurden sie in der Vergangenheit häufig auch vom Menschen gestört. Mittlerweise sind jedoch alle Küstenabschnitte, an denen Brillenpinguine brüten, unter Schutz gestellt. Hier sind besonders der Abbau von Guano und das Absammeln der Eier streng verboten.
Den Tieren soll es im Aquazoo richtig gut gehen – es stehen ihnen dann 165.000 Liter Meerwasser mit einer Tauchtiefe von etwa 4 Meter zur Verfügung. Da antarktische Bedingungen nicht erforderlich sind, ist ihre Haltung in unseren Breitengeraden auch „outdoor“ möglich. Damit die Tiere sich zurückziehen können und die Brut dieser Pinguinart im Aquazoo gelingen kann, sind auch pinguingerechte Höhlen und Unterstände im Kunstfelsen vorgesehen.
Da waren die zuvor gehaltenen Eselpinguine (Pygoscelis papua) schon anspruchsvoller: für sie war die Kühlung von Luft und Wasser, die Filterung der Raumluft und eine feste Überdachung notwendig.
Wir freuen uns auf 2016 und auf die neuen afrikanischen Botschafter im Frack!
Schicht für Schicht: die Felslandschaft für die Afrikanischen Pinguine entsteht.